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Das Kussbuch

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Das Kussbuch
Eine romantische Verführung

Paperback, 184 Seiten
ISBN 978-3-426-77760-2

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Kurzbeschreibung

 

Dieses Buch ist zum verschenken und schmökern geschrieben worden. Es enthält Überraschendes, Amüsantes aber auch Lehrreiches über den Kuss und das Küssen.

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

Einleitung

  1. Warum ein Kuss so sinnlich ist

  2. Was ein Kuss vermag

  3. Warum küssen wir

  4. Nasenkuss und andere Zärtlichkeiten

  5. Unvergessene Küsse

  6. Intime Küsse

  7. Verbotene Küsse

  8. Ungewöhnliche Küsse

Spezial

     

Leseprobe

Auszug aus der Einleitung

Als Richard Burton und Elizabeth Taylor 1963 vor der Kamera standen und sich für den Film Cleopatra küssen mussten, hat es sie erwischt. Sie waren fortan einander verfallen. Es begann eine der skandalträchtigsten Liebesgeschichten des zwanzigsten Jahrhunderts.
Sie liebten, stritten, trennten und versöhnten sich. Sie heirateten und ließen sich scheiden, heirateten erneut und ließen sich abermals scheiden. Atemlos verfolgte nicht nur die Filmwelt diese leidenschaftliche Liebe, sondern die gesamte westliche Welt.
Und ohne dabei gewesen zu sein steht fest: Die Versöhnungen wurden mit Küssen besiegelt und die Liebesnächte von Küssen begleitet. Weil Küsse einfach dazugehören. Sie sind der Zunder, der das Feuer der Liebe entfacht, und sie sind die Glut, die die Liebe am Leben erhält.
Nicht alle Leinwandküsse sind also ohne Folgen. Selbst wenn Schauspieler deren Harmlosigkeit immer und immer wieder beteuern. Hin und wieder kommen sogar die hartgesottensten Profis ins Schwitzen oder reagieren mit einem Eifersuchtsanfall. Dann nämlich, wenn sie in eine Kollegin frisch verliebt sind und diese laut Drehbuchanweisung einen anderen küssen muss. Das jedenfalls gestand mir der Schauspieler Herbert Knaup.
In aller Regel gaukeln uns Filmküsse allerdings ungemein etwas vor. So soll das Publikum seinerzeit dahingeschmolzen sein, als sich Rhett Butler und Scarlett O'Hara im Film Vom Winde verweht küssten.
Die Realität des Zelluloidkusses sah freilich ganz anders aus. Zwar stockte Gerüchten zufolge Scarlett, also Vivien Leigh, beim Küssen ebenso der Atem wie den Zuschauern, aber keineswegs aus Leidenschaft. Vielmehr soll ihr Filmpartner Clark Gable den übelsten Mundgeruch in ganz Hollywood gehabt haben.
Wie dem auch sei, außerhalb des Filmsets kann sich niemand vorstellen, dass beim Küssen die Gefühle schweigen. Denn normalerweise hat Küssen viel mit dem Gefühl zu tun. Für Liebende ist der Kuss ein sicheres Zeichen der Zuneigung, ein gegenseitiges Versprechen, dass man einander gehört. Aus diesem Grunde gilt nicht zuletzt der öffentliche Kuss bei der Verlobung und Vermählung als Bestätigung des geschlossenen Bundes.
Nichts scheint einfacher, als jemandem einen Kuss zu geben. Aber wenn wir lieben, unser Herz klopft, benötigen wir eine ordentliche Portion Mut, um den ersten Kuss zu wagen ...

Auszug aus dem 3. Kapitel:
Nasenkuss und andere Zärtlichkeiten

Der Mundkuss ist uns Europäern so vertraut, dass wir glauben, alle Menschen auf unserem schönen Erdenrund würden auf diese Weise küssen. Dem ist aber nicht so. Auch sind diejenigen unter uns, die von anderen Kusszärtlichkeiten schon gehört haben, überzeugt, dass allein der Kuss mit dem Mund wirkliches Vergnügen bereiten könne. Sie sind der Meinung, nur die Lippenberührung sei geeignet, Liebe, Freundschaft, Zärtlichkeit und Leidenschaft derart innig auszudrücken. Aber auch das entspricht nicht den Tatsachen.
Wahr ist allerdings, dass wir Europäer das Mundküssen fleißig exportiert haben und dass andere Völker diese Art zu küssen übernommen haben. Sehr wahrscheinlich konnte das mehr oder weniger freiwillig geschehen. Wohl auch weil den in diesen Dingen bis dato unerfahrenen Schmusern die Sache mit dem Mund nach kurzem Ausprobieren höllisches Vergnügen bereitete.
Ob freilich andere intime Handlungen ohne Widerstand übernommen wurden, bleibt fraglich. So ist beispielsweise bekannt, dass Missionare den „Wilden“ beizubringen versuchten, wie ein „zivilisierter Mensch“ mit seiner Gattin zu koitieren habe. Die Anweisung war: liegend, die Gesichter einander zugewandt, der Mann oben und die Frau unten. Jede andere Stellung war nach Auffassung der damaligen Kirchenmoral unpassend und sündhaft.
Die Sendboten der heiligen Kirche, wohl selbst in diesen sexuellen Praktiken eher unerfahren, überzeugten nichtsdestoweniger recht erfolgreich mit Drohungen wie Höllenqualen, Fegefeuer und Verdammnis. Noch heute ist daher der Begriff „Missionarsstellung“ vielen geläufig.
Was den Export des Mundkusses anbelangt, haben Europäer im Gegenzug keineswegs adäquate Zärtlichkeiten importiert. Vielmehr galten westlichen Eroberern, Missionaren, Forschern oder Reisenden etwa Nasenküsse als primitiv, als primitive Vorstufe des Mundkusses. Oder sie waren schlicht eine merkwürdige Angewohnheit der so genannten Wilden.
Den Menschen des „kultivierten“ Abendlandes kam es gar nicht in den Sinn, die „seltsamen“ Liebkosungen fremder Völker einmal auszuprobieren. Entsprechend fanden diese keinen Eingang in unser Liebesleben oder wurden kein Bestandteil von Begrüßungsbräuchen. Was schade ist, denn sie hätten mit Sicherheit eine Bereicherung bedeutet.
Dabei hatte der Nasenkuss die gleiche Funktion wie der Mundkuss. Er bezeugte freundschaftliche Gefühle, war ein Zeichen der Zuneigung und galt als Liebesbeweis und zärtliches Versprechen. Kurzum, für Nasenküsser hatte der Nasenkuss die gleiche Bedeutung wie der Mundkuss für Mundküsser ...

Auszug aus dem Spezial

Unbegrenzt scheint die Wortwahl zu sein, wenn es um den Kuss geht. Wie überhaupt die meisten Regionen eigene Begriffe für das Küssen haben. Um 1900 waren derlei sinnverwandte Worte in deutschsprachigen Gebieten freilich viel gebräuchlicher. So sprach man etwa von possen oder pussen, aber auch von pîpen. Hin und wieder gab ein fescher junger Mann seinem Liebchen auch einen smats, der war dann etwas lauter. War der Verliebte hingegen feinerer Herkunft, dann wollte er seine Angebeteten snûtern. Eine gröbere Lippenberührung wurde dagegen slabben, flabben und smakken genannt, und ein besonders derbes Küssen hieß smatschen.
Üblich war auch das afsnûdeln (abküssen) oder smukken (smukhand = Kusshand). Ein äußerst hübscher Begriff war außerdem Snûtappel, was liebevoll übersetzt Schnäutzchenapfel heißt. Und die Bezeichnungen makken, bützen sowie flobben klingen doch auch recht nett. Nicht zu vergessen musche für Kuss und muschen für küssen.
Aber es geht noch weiter mit dem Küssen. Denn man kann einen Kuss bekommen und geben. Man kann ihn aufdrücken, verschenken, verschicken, abwischen oder zurückgeben. Gar mancher küsst vorbei, und in alten Büchern steht sogar, man könne jemanden abküssen, anküssen, aufküssen, ausküssen, herküssen, zerküssen und zuküssen.
Man kann einen Kuss sogar malen, in Stein hauen oder fotografieren. Küsse werden auch verewigt oder abgewischt und ausradiert. Auch klingen oder schwingen sie nach. Manchmal steht ein Kuss sogar zwischen zwei Personen, löst einen Skandal aus oder erniedrigt beziehungsweise erhöht jemanden.
Ein Kuss ist etwas ganz Phantastisches und doch zugleich ein über alle Maßen „vergängliches Ding“. Er ist harmlos und doch äußerst brisant, sittlich vertretbar und zugleich moralisch verwerflich. Ja, Küsse werden von Engeln und vom Teufel gleichermaßen gegeben und sind deshalb höchst unterschiedlicher Natur.
Ein Kuss kann atemberaubend, betörend, animierend, hingebungsvoll, aufregend, erotisch, gefühlvoll, göttlich, magisch, raffiniert, sehnsüchtig, innig, leidenschaftlich, liebevoll, romantisch, tierisch, hemmungslos, überwältigend, verzehrend und zärtlich sein. Es gibt durstige, flüchtige, sanfte, ehrliche, geraubte, gefährliche, gewagte, forsche und schüchterne Küsse. Sie können abscheulich, abschreckend, belanglos, unverschämt, unheilvoll, unmoralisch, verhängnisvoll und frustrierend sein.
Und nicht zuletzt können sie süß, salzig, staubig, würzig, zart, wässrig, heiß, trocken, saftig und feucht schmecken. Ganz abgesehen von den ersehnten, ersten, begehrten, gespielten, hastigen, erweckenden, endlosen, versäumten, unverhofften, vorsichtigen und verlegenen Küssen. Und schließlich, damit sei dann Schluss: kann ein Kuss in Ehren niemand verwehren.