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Es wäre schon schön

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»Es wäre schon schön, nicht so allein zu sein«
Sexualität von Frauen im Alter

Paperback, 219 Seiten mit 9 Abbildungen, 7 Schaubildern und 57 Tabellen
ISBN 3-593-34731-8

 

 

Kurzbeschreibung

 

In den Sexualwissenschaften ist von Alterssexualität die Rede. Die simple Frage ist, wann beginnt sie? Und wie sieht Sexualität im Alter aus? Studien belegen, daß Frauen im Alter weniger sexuell aktiv sind als Männer. Es wird sogar behauptet, das weibliche Geschlecht hätte im Alter weniger Interesse am »Sex«.
Um diese Behauptungen zu überprüfen, werden die sexualwissenschaftlichen Arbeiten der letzten vierzig Jahre unter die Lupe genommen. Von Kinsey über Masters & Johnson bis hin zu biographisch orientierten Untersuchungen. Erstaunliches wird zutage befördert: Von der weiblichen Sexualität im Alter kann überhaupt nicht die Rede sein. Das Zahlenmaterial trügt, und die Fragestellungen sind auf männliche Sexualität ausgerichtet.
Damit Sexualität von Frauen im Alter erfaßbar wird, muß nach neuen »Meßmethoden« Ausschau gehalten werden. Die alten Daten müssen folglich über Bord geworfen werden. Dabei sind die kritischen Betrachtungen dieses Buches ebenso hilfreich wie das vorgestellte alternative Forschungskonzept zur Erfassung sexuellen Verhaltens.

 

 

Pressestimmen

 

»Die Autorin rechnet freundlich ab mit einer Sexualforschung, die männlich ausgerichtet und meist penisgesteuert, seit 1953 die Sexualität der Frau, zumal ihre ’sogenannte Alterssexualität’, hat vermessen wollen. (...) Verblüfft hat mich, dass die gesamte Erforschung weiblicher Alterssexualität sich von Kinsey bis zum Jahr 1990, was Deutschland betrifft, auf ganze 137 befragte Frauen stützte! (...) An Ebberfelds Buch wird ... klar, wieviel Wissenschaftsmüll von Studie zu Studie mitgeschleppt wird.«
AB 40

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

  1. Einleitung
    Thematische Eingrenzung
    Zur Konzeption des Buches
    Alterssexualität was ist das?

  2. Verhältnis und Relevanz der Meßfaktoren
    Der Meßfaktor Geschlechtsverkehr
    Bezug zum Familienstand/Witwenschaft
    Bezug zum Sexualpartner/Ehemann
    Bezug zum Bedeutungsgehalt
    Der Meßfaktor Masturbation
    Bezug zum Bedeutungsgehalt
    Der Meßfaktor Orgasmus
    Bezugnahme auf den Mann

  3. Weitere Dimensionen der Sexualität
    Sexualität als Gesundheitsprogramm
    Sexuelle Abstinenz
    Weibliche Sexualität
    Bezug zur Körperlichkeit
    Bezug zur nicht-vermessenen Sexualität

  4. Forschung und Alterssexualität der Frau
    Männliche Sichtweise und Vokabular
    Zum Verhältnis von Subjektivität und Sexualforschung
    Bezug: Subjektivität und Interpretation
    Relativierung der Ergebnisse zur Alterssexualität von Frauen
    Eine Fallstudie
    Prämissen und Perspektiven einer alternativen Forschung

  5. Darstellung der Ergebnisse aus der Alterssexualitätsforschung
    Aufarbeitung und Verarbeitung von Datenmaterial
    Übertragungsfehler
    Einstellungen
    Blickwinkel des Forschers
    Vor-Urteile des Forschers
    Resümee

  6. Forschungsergebnisse über Alterssexualität bei Frauen
    Auswertung der tabellarisch erfaßten Studien
    Zum Untersuchungsgegenstand quantitativer Studien
    Zum Untersuchungsgegenstand qualitativer Studien
    Zu den Studien generell

  7. Tabellarisch erfaßte Studien

 

 

Leseprobe

 

Auszug aus der Einleitung

In ihrem Buch Das Altern erwähnt Simone de Beauvoir eine einzige Frau, als sie sich über mehrere Seiten mit der Sexualität im Alter auseinandersetzt. Diese Frau, 64 Jahre, erscheint auch nur deshalb, weil sie im späten Liebesleben von Paul Léautaud einen wichtigen Platz einnimmt. Ansonsten ist von Männern die Rede, von berühmten, von Bouillon, der mit 66 Vater eines Sohnes wurde, von Tolstoi, der mit 70 Jahren nach dem Ausritt zu Pferde mit seiner Frau zu schlafen pflegte, von Hugo, der im hohen Alter Prostituierte aufsuchte, von Charlie Chaplin, der als Greis heiratete, von Picasso, der ... aber wir kennen diese Geschichten, die uns unterhalten, amüsieren und neugierig machen, weil sie etwas Sensationelles, Skandalöses, Verbotenes, Unvorstellbares an sich haben.

Anders als unseren eigenen Vätern trauen wir es diesen Männern, die immerhin in die Geschichte eingegangen sind, zu, noch Sexualität gehabt zu haben. Und was ist mit den Frauen im Alter, den großen, aber auch den ganz gewöhnlichen? Wenig Einschlägiges findet man über sie in der schöngeistigen Literatur und wenig, quasi am Rande, in Büchern zum Thema Alter oder Frauen. Die Sexualitätsforschung hingegen, die sich seit einigen Jahrzehnten auch mit dem Gegenstand Alterssexualität beschäftigt, scheint Antwort zu geben.
Hier stoßen wir auf genaue Angaben über das Geschlechtsleben von Frauen bis ins hohe Greisenalter, auf Angaben, die ein anderes Sexualverhalten aufzeigen als das gleichaltriger Männer. Die Aussagen sind schlicht, kein Hauch von Skandal, alles verläuft in wissenschaftlichen Bahnen, die Namen bedeutender Frauen fehlen gänzlich.
Sexualität im Alter ist »salonfähig« geworden, zumindest in den Studierstuben. Man darf alles fragen, aber wissen wir alles? Was genau sagt die Sexualwissenschaft über Alterssexualität bei Frauen aus? Wieso zeigen Frauen im Alter ein anderes Sexualverhalten als Männer, und sie sind sexuell weniger aktiv? Hat Simone de Beauvoir intuitiv richtig gehandelt, indem sie den Mann derart herausstellte? ...

 

Auszug aus Kapitel III
Bezug zur Körperlichkeit


»Die oberste, unsere Wahl und Neigung leitende Rücksicht ist das Alter. Im Ganzen lassen wir es gelten von den Jahren der eintretenden bis zu denen der aufhörenden Menstruation, geben jedoch der Periode vom achtzehnten bis zum achtundzwanzigsten Jahre entschiedenen Vorzug. Außerhalb jener Jahre kann kein Weib uns reizen: ein altes, d. h. nicht mehr menstruiertes Weib erregt unsere Abscheu.«
Das schrieb Arthur Schopenhauer 1855. In der heutigen Zeit formuliert man es natürlich nicht mehr so kraß, obgleich das gleiche gemeint ist: »Frauen werden nach der Menopause als asexuell und sexuell weniger attraktiv angesehen ...« Eine Frau, die in die Wechseljahre eintritt oder sich in ihnen befindet, gilt nicht nur für diejenigen Männer, die auf Nachwuchs bestehen, als alt und damit als sexuell unattraktiv. In der Forschung über Alterssexualität gilt noch heute für Frauen die Wendemarke 40—50 Jahre sowohl bei neueren Untersuchungen ... als auch bei den immer wieder zitierten Arbeiten von Masters & Johnson und Kinsey. Die alternde Frau (aging woman) ist die Frau kurz vor oder während der Menopause. Unter diesem Gesichtspunkt beginnt das Alter der Frau, wenn sie ihre zugewiesene weibliche Rolle nicht mehr in vollem Umfang übernehmen kann. Der um die Zeit der Menopause angesetzte Schnitt einer Alterung der Sexualität bei der Frau hat seinen Ursprung lediglich in einer Annahme, die davon ausgeht, daß die Fertilität die Sexualität (Geschlechtsverkehr) bedingt. Konsequenterweise müßte in diesem Zusammenhang davon ausgegangen werden, daß die Frau zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr am gebärfreudigsten ist, da sie während dieser Periode ihre größte sexuelle Potenz besitzt — und um in dieser Logik zu verharren — , am häufigsten Geschlechtsverkehr ausübt. ...

 

Auszug aus Kapitel IV
Fallstudie


Mathilde S., geborene K., geboren 1912:
»Ich vermisse meinen Mann immer noch, nach all den Jahren, ohne sentimental zu erscheinen. Aber anders herum möcht’ ich’s erst recht nicht haben, weil ein Mann viel schwerer allein fertig werden kann. Frauen können das besser. Er war ... ja, es kommt durch die Kriegsjahre ... er war erst 72. Er hätte gut noch leben können.
Der Partner ist der Mensch, der einem am meisten fehlt. Kinder können gehen, weil sie selbständig werden und ein eigenes Weiterleben haben. Aber einen Partner zu verlieren und allein zu bleiben, das ist weiß Gott schwer. Zuerst verliert man an allem Interesse, nicht? Selbst am Essen und Trinken, und der Schmerz geht ja irgendwie nicht weg, nicht, komischerweise. Er fehlt mir wie gestern.
Es war wohl die ideale Ehe. Und dann konnte ich mich auch nicht entschließen, irgend etwas zu unternehmen nach seinem Tod. Einen solchen Mann hätte ich nie wieder bekommen. Na ja ... also nein, Sex könnte ich mit keinem anderen Mann ... könnt’ ich nicht ... Ja. Finden Sie jetzt mal den richtigen Partner. Dann hätt’ ich mich eher bemühen müssen. Jetzt ist es zu spät!«