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Botenstoffe

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Botenstoffe der Liebe
Über das innige Verhältnis von Geruch und Sexualität

Paperback, 252 Seiten mit 45 Abbildungen, 64 Graphiken und 15 Tabellen
ISBN 3-593-36145-0

 

 

Kurzbeschreibung

 

Menschen mögen ihre Körpergerüche nicht sonderlich, so scheint es, denn es gilt als unschicklich, nach Schweiß zu riechen, und es ist allemal anstößig, einen Geschlechtsgeruch von sich zu geben. Aber warum verteufeln wir unsere eigenen Gerüche derart, daß wir sie sogar mit Parfüm, Deo, Seife zu überlagern trachten? Weltweit erstmalig sind rund 500 Menschen zum Thema befragt worden. Es wurde dabei in Bereichen geschnüffelt, die sonst sorgsam gereinigt werden, damit sie nicht mehr riechen.

Nun kann nachgelesen werden, wie es im ganz normalen Liebesleben mit den Körperdüften aussieht, ob natürliche oder künstliche Körpergerüche bei der Liebeswerbung favorisiert werden, wer gern an Wäsche und T-Shirt schnüffelt, welchen Geruch Frauen oder Männer im Intimbereich bevorzugen, und ob es sexuell stimulierende Düfte am menschlichen Körper gibt.

 

 

Pressestimmen

 

»Ebberfelds Neugier wurde durch einen Aufsatz ... aus dem Jahr 1932 geweckt. ... Die Wissenschaftlerin nahm Witterung auf. Einmal im ’Herumschnüffeln’, stieß sie rasch auf grundlegendere Fragen.« (...) Heraus kam ein Buch, »das auch für den Laien lesbar ist (...) eine gelungene, mitunter süffige Sittengeschichte des menschlichen Sexualgeruchs. Sie legt sich wie ein prächtiger Mantel um den eher trockenen kulturwissenschaftlichen Datenkern. Und sie ist bis in den umfänglichen Anhang hinein mit Illustrationen von und für Intimschnüffler angereichert, die einst wohl als ’verrucht’ galten (...) Folgt man der Kulturwissenschaftlerin Ebberfeld, müssen auch jene Annahmen korrigiert werden, wonach nur Männer von Genitaldüften angelockt und erregt werden.«
DIE ZEIT

 

»Bei der Lektüre enttäuscht die sachkundige Autorin niemand, weil sie anschaulich über all die menschlichen Duftvarianten informiert, die anrüchig und anziehend zugleich sind.«
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

 

»500 Frauen und Männer haben ausgesagt, wie sie Körpergerüche an sich und anderen wahrnehmen, was sie als stimulierend und was als abstoßend empfinden, wie vertraut sie mit den eigenen Düften sind und ob sie künstliche oder natürliche Gerüche bevorzugen. ... Auszüge aus der orientalischen Literatur, Gebräuche und Vorlieben bekannter Personen wie ’Geheimnisse’ aus der Kunst der Parfümherstellung runden diese fundierte, packende und auch amüsante Übersicht ab. Hier werden Tabus gebrochen. Statistiken erstellt und der Sinnlichkeit Kränzchen gewunden: Vulgäres ist hingegen nicht zu finden.«
BÜCHER-PIK

 

»Jedem, der sich für Parfüms und ihre Rolle in der Kulturgeschichte ... interessiert, sei dieses Buch ans Herz gelegt.«
FORUM

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

Einleitung

  1. Entstehung einer Studie
    Die Fragen
    Außergewöhnliche Reaktionen
    Die Teilnehmer

  2. Künstliche Duftstoffe
    Deo und Deoseife
    Parfüm und Aftershave
    Körperpflegemittel

  3. Wahrnehmung von Körpergerüchen
    Der eigene Körpergeruch
    Der Körpergeruch des Partners
    Der eigene Intimgeruch
    Der Intimgeruch des Partners

  4. Körpergerüche anderer Menschen
    Geruchserkennung des Partners
    Wiedererkennung anhand einzelner Düfte
    Faszinierende Gerüche des Partners
    Unangenehme Gerüche des Partners

  5. Düfte als sexuelles Stimulationsmittel
    Stimulierende Gerüche
    Stimulierende Körpergerüche
    Getragene Wäschestücke als Stimulationsmittel

  6. Geruchsvorlieben im Intimbereich
    Der eigene Intimgeruch und der des Partners
    Reinigung des Intimbereiches
    Duftstoffe im Intimbereich

 

 

Leseprobe

 

Auszug aus der Einleitung

Was dem Tier erlaubt ist, untersagt sich der Mensch, nämlich nach Herzenslust zu stinken und nach Herzenslust zu schnüffeln. Amüsiert oder verstohlen beobachten wir den Hund, der gar nicht mehr vom Hinterteil seiner Artgenossin lassen kann. Und es fragen sich diejenigen, die sich von Berufs wegen mit Gerüchen und dem Riechen beschäftigen, wie es wohl mit unseren Umgangsformen aussähe, wenn wir uns nicht hinter zivilisierten Höflichkeiten verstecken könnten oder müßten.

Wir sind vom schnüffelnden Wesen, so hat es den Anschein, das seinen Sexualpartner nach der Geruchsaura des Geschlechts auswählt, weit entfernt, und dies, weil wir, wie Helmut Schelsky es einmal ausdrückte, »nicht soeben vom Baum gesprungen« sind. Anders als unsere nächsten Verwandten, die Primaten, haben wir einen langen Weg der Entwicklung beschritten, der uns nicht nur den aufrechten Gang lehrte, sondern der uns auch zu dem machte, was wir heute sind: kultivierte und zivilisierte Säugetiere, deren Sinne gelernt haben, »kultiviert zu reagieren«. Wobei die Aufrichtung des Menschen vom Boden nach Sigmund Freuds Meinung zur Verlagerung der Sinnestätigkeiten führte. Aus dem einstmaligen Nasentier entwickelte sich das Augentier. Die psychische Sexualerregung ist damit nicht mehr von Geruchsreizen abhängig, sondern auf das angewiesen, was die Augen zu Gesicht bekommen. Erst mit der »Übergewichtung der Gesichtsreize« bei gleichzeitiger »Entwertung der Geruchsreize« konnte sich der Kulturmensch, so vermutet Freud, heranbilden.
Die »Krone der Schöpfung« hat mit diesem gewaltigen Entwicklungssprung das Tierische weit hinter sich gelassen. Nichts scheint vom ursprünglichen Nasentier übriggeblieben zu sein, weder benötigt es den Geruchssinn, um sich in seiner sexuellen Welt orientieren zu können, noch will es Gerüche wahrnehmen, die an seine tierische Herkunft erinnern. Denn der Mensch stinkt nun einmal tierisch, wenn er nichts gegen die Absonderungen seines Körpers unternimmt, insbesondere seiner Duftdrüsen, von denen er mehr besitzt als jedes andere höhere Säugetier.

Wir mögen unsere Körpergerüche bekanntermaßen nicht besonders, so scheint es wenigstens, denn wir tun alles, um nicht nach Mensch zu riechen. Wir waschen uns täglich, cremen und parfümieren uns mit wunderbaren Mitteln, die den unerwünschten eigenen Geruch fortnehmen und uns einen viel besseren geben. Diese Mittel wie Seifen, Cremes, Deos und Parfüms mit den herrlichsten Namen und den verlockendsten Versprechungen sind zum Inbegriff des guten Körpergeruchs, des Bodyimages und der Körperhygiene geworden. Künstliche Düfte aus Flakons, Tuben und Töpfen sind zulässige Körperausstrahlungen, die von unseren Mitmenschen und auch von unserer eigenen Nase akzeptiert werden. ...

 

Auszüge aus Kapitel V
Düfte als sexuelles Stimulationsmittel

»Ich will Sie auch nicht lange beanspruchen«, sagte er. »Darf ich Sie um Ihr Taschentuch bitten?«
Sie gab ihm ihr duftiges, zart parfümiertes Tuch. Er vergrub entzückt seine Nase darin und sagte: »Ich beabsichtige nicht mit Ihnen zu schlafen, ich will Sie nicht besitzen, wie Sie es sicherlich von anderen Männern gewohnt sind. Ich möchte Sie nur bitten, dieses Taschentuch zwischen Ihren Beinen hindurchzuziehen und es mir dann zu überlassen. Das ist alles.«

Das Taschentuch ist in der Tat alles, was dieser Mann begehrt und für seine sexuelle Befriedigung benötigt, denn keine Vorstellung ist für den wahren Fetischisten erschreckender, als neben dem Objekt seiner Begierde auch noch die Frau dazu zu bekommen. Das behauptete zumindest der als zeitkritisch bekannte Schriftsteller Karl Kraus. Und tatsächlich interessieren sich leidenschaftliche Wäschefetischisten ausschließlich für ihre Liebesgegenstände und nicht etwa für den vormaligen Träger ihres Fetischs.
Nach der fleischlichen Nähe verlangt es den Fetischisten nämlich nicht, sondern nach einer phantasierten Nähe, und diese kann er mit Hilfe des Wäschestückes herstellen. Aus diesem Grunde ist die Beschaffenheit des geliebten Gegenstandes von allergrößter Bedeutung, denn nur dann, wenn der Fetisch der Vorstellung des Fetischisten entspricht, kann er seine Einbildungskraft anregen und damit seinen sexuellen Ansprüchen genügen. Die sinnliche Wahrnehmung des Gegenstandes ist folglich ganz entscheidend, wobei dem Geruchssinn eine nicht unerhebliche Rolle zukommt, weil auch der Duft des Fetischs der Sache selbst entsprechen muß. Er verleiht ihm etwas Wesenhaftes und auch Individuelles.

Für Menschen beispielsweise, die zur Liebesfähigkeit Leder-, Latex- oder Gummikleidung tragen, ist der Duft der Materialien ebenso wichtig wie der Schnitt und die Farbe des Kleidungsstückes. In keinem Fall interessiert den Träger derartiger Kleidung bloß das spezielle Kleidungsstück. Die Vorstellungen gegenüber dem Fetisch sind sehr konkret und differenziert, dementsprechend auch die Vorstellungen des erwarteten oder gewünschten Duftes. So verlangt es einen Schuhfetischisten nicht nach irgendeinem Schuh, sondern stets nach einem speziellen. Dieser muß nach Auskunft eines Mannes, der getragene Wäsche verkauft, neben dem Fußgeruch auch immer seinen charakteristischen Geruch abgeben. Ein Springerstiefel sollte daher nach Springerstiefel riechen und ein Turnschuh nach Turnschuh. ...

 

Getragene Wäschestücke als Stimulationsmittel

Ein nicht unerheblicher Anteil der Befragten gibt an, schon einmal an einem getragenen Wäschestück des Partners geschnuppert zu haben. Nicht weniger als 68,6 % der Teilnehmer wollten sich auf diesem Wege an ihren Partner erinnern, wobei ganz besonders Frauen zu dieser Erinnerungsmethode neigen.
Die am häufigsten gewählten Kleidungsstücke sind dabei die, die am Oberkörper getragen werden. 32,4 % der Befragten benutzen zum Beispiel T-Shirts oder Unterhemden, und 15 % greifen zu Pullovern, Sweatshirts, Blusen etc. Seltener wird an Kleidungsstücken wie Slips (3,7 %), Tüchern, Bodys sowie BHs geschnuppert oder an Wäsche, die nicht dem Tragen dient, wie Handtücher oder Bettwäsche.
Bei der Wahl der Kleidungsstücke fällt besonders auf, daß intimere Wäsche besonders von Männern bevorzugt wird. Unterhosen wurden etwa von 7,5 % der befragten Männer angegeben, aber nur 1,5 % der Frauen wählen dieses Wäschestück, um durch dessen spezifische Gerüche an den Partner erinnert zu werden.
Welches Kleidungsstück oder welcher Gegenstand auch immer gewählt wird, er muß mit der entsprechenden Person irgendwie in Verbindung gestanden haben, denn nur auf diesem Wege lassen sich Personengerüche übertragen. Ist der Körperduft eines Menschen allerdings in die Kleidung oder andere Materialien eingedrungen, haftet er dort geraume Zeit. Unter günstigen Umständen, zum Beispiel eingesperrt in einem Kleiderschrank, bringt er es auf einige Jahre und konserviert möglicherweise auf Jahrzehnte. Der Duft eines Menschen kann folglich noch da sein, obgleich dieser selbst nicht mehr anwesend ist, so daß mit Hilfe des Duftes die entsprechende Person auf eine äußerst innigliche und emotionale Weise assoziiert werden kann. ...